Schattenwege

Schattenwege


09
Feb
Zukunftsträume
09.02.2013 16:12

Es war stockdunkel draußen vor dem Fenster. Die Nacht war ungewöhnlich finster. Normalerweise konnte man, wenn es so wolkenlos war, wenigstens die Sterne sehen. Aber heute Nacht war das anders. Ich legte mich in mein Bett und drehte mich halb auf die Seite, halb auf den Bauch. Es war die einzige Position, in der ich richtig schlafen konnte. Die leise Musik aus meinem CD-Player betäubte meine Sinne und ließ mich schon bald ins Reich der Träume hinwegschlummern.

 

Sanftes Windrauschen in den Bäumen. Der Wald um uns herum verbirgt alles Fremde und Bedrohende der Außenwelt, die Welt der Abgase und der Verkehrsgesellschaft der Städte. Wie ein Lied klingen die fallenden, bunten Blätter des Herbstes, als wäre jedes Einzelne ein spezieller Ton einer schmeichelnden Melodie. Das Licht der langsam untergehenden Sonne wirft warme Farben auf. Langsam gehen wir nebeneinander her, hängen beide unseren Gedanken nach. Das Zwitschern der Vögel ist der einzige wirklich tierische Laut in der uns umgebenden Ruhe. Selbst unsere Wölfe bleiben stumm. Schwarz und weiß laufen sie gemeinsam, stehen für Licht und Dunkelheit. Ein Lächeln umspielt meine Lippen, als mir wieder der alte Gedanke kommt, wie schicksalhaft wir zusammengeführt wurden. Du erkennst die Regung und bleibst stehen. Wie Magnete sind wir verbunden, ein Teil passt sich dem anderen an. Ich stoppe neben dir und wende meinen Blick auf dein Gesicht. So warm ruhen deine goldbraunen Augen auf mir, so sanft ist dein atemberaubender Blick. Nur mit viel Mühe kann ich meine Augen von den deinen losreißen und bewundere mal wieder deinen starken Körper, der selbst unter dem schwarzen Mantel unglaublich gut zur Geltung kommt. Der weiße Schal um deinen Hals bildet einen scharfen Kontrast dazu, ebenso wie deine nahezu weiße, perfekte Haut. Ob das bei mir ähnlich wirkt? Bilde ich doch eher den schwachen Gegensatz zu dir? Strahlt meine Haut im gleichen Licht wie deine? Oder wirke ich noch immer um so vieles unauffälliger als du, si wie es der Fall war, als ich noch menschlich war und noch nicht vollkommen zu dir gehörte? Ich blicke zurück, zurück zu dem hell-ockerfarbenem Haus am Fuß des sanft ansteigenden Berges. Unwirklich liegt es dort, als wäre es nur eine Illusion. Meinen Traum birgt es. Unser Heim ist es. Bin ich angekommen? Ich verfolge in Gedanken den kleinen schmalen Weg, den wir nun so oft begehen, der uns an so stille, beruhigende, fantastische Plätze führt. Stück für Stück erklimme ich ihn in meinen Gedanken aufs Neue, bis ich deine Gedanken finde und wir gemeinsam weitergehen, als hätte wir es uns zugerufen. Du nimmst meine Hand in deine und hältst sie fest. Wieder einmal durchfährt mich dieser unwirkliche Schauer, den fast jede deiner Berührungen in mir auslöst. Wir gehen bis zu unserer Weide, dann hältst du an und wendest dich mir zu. Ich betrachte den wunderschönen, alten, kraftvollen Baum, der mir so lieb geworden ist als Ort der Zuflucht, Geborgenheit, Zufriedenheit und Liebe. Zärtlich streichst du über meine Wange, weshalb ich meinen Blick auf dich richte. Ich schenke dir ein Lächeln, ein Lächeln, das mehr Gefühl beinhaltet als bei irgendeiner anderen Person vor dir. Langsam beugst du dich zu mir herab, berührst hauchzart mit deinen Lippen die meinen. Ein sanftes, prickelndes Gefühl macht sich in mit breit. Ich erwidere deinen Kuss mit so viel Liebe und Zärtlichkeit, wie mir möglich ist. Als wir uns voneinander lösen, lächeln wir beide zufrieden und glücklich. Langsam lehne ich mich mit dem Rücken an die Weide und rutsche vorsichtig daran herab. So süß riecht die Luft, so warm fühlen sich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf der Haut an. Ich liebe die bunten Farben der roten, gelben und braunen Blätter der Herbstbäume. Wie das Licht von ihnen abstrahlt, in so beruhigender Art und Weise. Bei dem Anblick werde ich wieder an ein Gedicht erinnert, dass du vor ein paar Wochen für mich geschrieben hast. Ich weiß noch, dass du es mir genau an diesem Ort vorgetragen hast. Ich ich liebte es, ich liebe es noch immer, so wie ich alles liebe, was du mir gibst.

 

Abendrot, so wunderschön.

Große Wiese, viel zu sehn.

Weidenbaum, so alt und groß.

Ich komme nie mehr von hier los.

 

Wasser plätschert leise vor sich hin

Und da kommst du mir in den Sinn.

Plötzlich schlägt das Herz so schnell.

Alles scheint - wie Gold - so hell.

 

Ich schließe die Augen, träume von dir.

Ich wünschte, du wärst hier bei mir.

Langsam schwindet das Sonnenlicht.

Einsamkeit schlich sich in mich.

 

Doch genau an dieser Stelle,

Da kamst du, die edle Quelle

Und der Traum wird Wirklichkeit.

Gemeinsam durch die Ewigkeit.

 

"Sommernachtstraum" hast du es genannt und es ist, als hättest du es aus meiner Seele gelesen, aus mir erfunden und aufgeschrieben. Gemeinsam sitzen wir nun hier und du hältst mich fest und sicher in deinen Armen. Diese Liebe wird niemals enden. Beim nächsten Windhauch...

 

... wachte ich auf und fand mich in meinem Bett wieder. Draußen begann es gerade zu dämmern. Die Morgenröte schickte schon ihre ersten Strahlen. Ich seufzte leise und drehte mich auf die Seite. Ich dachte wie schon so oft in den letzten wenigen Wochen über ihn nach. Ihn, den Mann ohne Gesicht, den Namenlosen, den stummen Beobachter, den Wegbegleiter. Diesen Traum hatte ich nun wahrlich oft genug geträumt, doch nicht einmal konnte ich den Mann jemandem zuordnen, den ich kannte. Bald darauf fielen mir meine Augen wieder zu. Zu sehr hatten mich die letzten unruhigen Nächte ausgelaugt.

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